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Interview | 19.09.2008

Jürgen Stark: EZB stellt zur Bewältigung der Finanzkrise Dollar zur Verfügung

Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank im Interview der Deutschen Welle

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gemeinsam mit anderen Zentralbanken Maßnahmen zur Bewältigung der Finanzkrise ergriffen. Jürgen Stark, Mitglied des EZB-Direktoriums, sagte in einem Interview der Deutschen Welle: „Wir haben in enger Kooperation mit anderen Zentralbanken auch als Agentin der amerikanischen Federal Reserve Dollar-Liquidität zur Verfügung gestellt, weil in diesem Geldmarktbereich der Markt nicht mehr funktionierte. Die amerikanischen Banken haben Dollar gehortet, so dass die kontinentaleuropäischen Banken oder ausländische Banken insgesamt nicht mehr an Dollar herankamen. Dollar wurden knapp. Wir haben dann eine Vereinbarung mit der amerikanischen Zentralbank getroffen - an der sich auch andere Zentralbanken der Welt beteiligt haben -, dass wir in unseren jeweiligen Regionen als Agent der amerikanischen FED handeln und Dollar zur Verfügung stellen. Ich glaube, das ist ein Zeichen der guten und engen vertrauensvollen Zusammenarbeit unter den Zentralbanken, gerade in dieser kritischen Phase.“

Auch für die Zukunft rechnet Stark mit weiteren Maßnahmen der EZB: „Der Bedarf schwankt von Tag zu Tag. Und auch die Verspannungen können von Tag zu Tag variieren. Deshalb sind wir sehr flexibel, wenn es darum geht, zusätzliche Liquidität zur Verfügung zu stellen.“ Stark sagte gegenüber der Deutschen Welle, er „glaube nicht, dass die Turbulenzen nun vorbei sind“. Der Anpassungsprozess werde noch einige Zeit dauern.

Als Verantwortliche für die weltweite Krise nannte Stark auch die Banken: „Ich möchte das nicht allein an den amerikanischen Aufsichtsbehörden festmachen. Ich glaube, es gibt hier viele, die zu der jetzigen Situation beigetragen haben. Und an allererster Stelle natürlich das Risikomanagement der Banken selbst." Dieses müsse verbessert werden.

Stark warnte allerdings vor Panikmache in Europa. Das europäische Bankensystem sei „gut aufgestellt“. Das „allererste Prinzip“ müsse sein, „dass diese Nervosität und zum Teil Panik, die in Teilen der Finanzmärkte herrschen, nicht überschwappt auf die Zentralbanken.“ Er sei überzeugt, dass die EZB gut aufgestellt sei, „mit den Problemen im Augenblick fertig zu werden."

19. September 2008
110/08

 
 
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